Über „Wenn der Morgen den Vulkan berührt“ von Walter G. Allgöwer
Im ersten Atemzug des Tages liegt der Teide-Nationalpark still da, als würde die Welt ihr eigenes Erwachen üben. Der Pfad hinauf zum Alto de Guajara zieht sich wie ein leiser Gedanke durch das vulkanische Land, 2715 Meter über dem Meer, wo die Erde rau und ehrlich ist. Die Sonne tastet sich vorsichtig über die Flanken der Berge, und das…
Im ersten Atemzug des Tages liegt der Teide-Nationalpark still da, als würde die Welt ihr eigenes Erwachen üben. Der Pfad hinauf zum Alto de Guajara zieht sich wie ein leiser Gedanke durch das vulkanische Land, 2715 Meter über dem Meer, wo die Erde rau und ehrlich ist. Die Sonne tastet sich vorsichtig über die Flanken der Berge, und das Gestein beginnt zu glühen, als trüge es ein inneres Feuer aus vergangenen Zeitaltern in sich. Schatten fließen talwärts, während das Licht die Rippen des Vulkans freilegt. Jeder Grat erzählt von Druck, von Geduld, von der langsamen Arbeit der Zeit. Der Teide erhebt sich fern und zugleich allgegenwärtig, 3715 Meter hoch, ein stiller Wächter über Teneriffa, über den Kanarischen Inseln, über dem Atlantik, der irgendwo jenseits des Blickfeldes atmet. Die Luft ist kühl, klar, beinahe zerbrechlich. Mit jedem Schritt scheint der Morgen größer zu werden, weiter, offener. Farben wechseln von tiefem Braun zu Gold, von Aschegrau zu warmem Rot. Es ist, als würde die Landschaft selbst leuchten, nicht vom Sonnenlicht allein, sondern von Erinnerung. Hier oben verliert das Wort „Eile“ seine Bedeutung. Der Berg verlangt keinen Sieg, nur Aufmerksamkeit. Und im stillen Panorama des Sonnenaufgangs wird der Aufstieg zum inneren Weg – langsam, kraftvoll und von einer Schönheit, die ohne Erklärung auskommt.
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