Über „Sonne und Schatten, Albert Bierstadt“
Sonne und Schatten, Albert Bierstadt
Albert Bierstadts Blick auf die gotische Wiederauferstehungskapelle der Löwenburg bei Kassel basiert auf einer Ölskizze, die er 1855 als Student der Düsseldorfer Akademie anfertigte. Angesichts des religiösen Themas weckt Bierstadts poetischer Titel Assoziationen zu spiritueller Erleuchtung und Dunkelheit. Er stellt aber auch den Mann mit Zylinder in der sonnenbeschienenen Kirche der verarmten Frau gegenüber, die ihren Säugling pflegt, der als traditionelles christliches Symbol der Nächstenliebe dient, aber auf den Stufen draußen im Schatten liegt.
Die Eiche, ein Symbol des dauerhaften Glaubens im Angesicht der Not, aber auch des Kreuzes, der Kreuzigung und der Auferstehung Christi, wurde zum Nationalbaum Deutschlands erklärt. Bierstadt integrierte Eichenzweige und -blätter in seinen speziell entworfenen Rahmen aus der Zeit der Gotik. Dieser historische Stil, der von mittelalterlichen Präzedenzfällen inspiriert wurde, versuchte, vielen maschinell hergestellten, massenproduzierten Gütern des Industriezeitalters eine Aura von geistigem Wert zu verleihen.
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