Madonna mit Kind, Orazio Gentileschi (1605)
Weder die Jungfrau noch das Jesuskind blicken in Orazio Gentileschis Gemälde auf den Betrachter: Die gesamte Szene ist auf der Leinwand festgehalten, und das Wesen des Werks liegt im Wechselspiel der Blicke und Berührungen zwischen Mutter und Sohn. Die rituelle Feierlichkeit, die die Darstellungen der Jungfrau und des Kindes durchdringt, fehlt: Abgesehen vom goldenen Rand des Heiligenscheins könnte man meinen, es handele sich um ein weltliches Motiv, das einen Moment familiärer Intimität darstellt. Diese Wirkung wird auch durch die Farbgebung erzielt, die auf einem matten Grund aus Ocker- und Brauntönen ruht: Das Gemälde erstrahlt durch die Fleischtöne von Mutter und Kind sowie durch die Dreiteilung der reinen Farben (Rot, Gelb und Blau) in ihren Gewändern.
